Als ich vor mehr als 30 Jahren in der Heiliggeistkirche als Pfarrerin eingesetzt wurde, hat Prof. Martin Klopfenstein für seine Predigt den obenstehenden Text aus dem Jesajabuch gewählt.

Mit dieser prophetischen Aussage wird auf das Wirken des „Gerechten“ oder des „Gottesknechtes“ hingewiesen, wir Christinnen und Christen verbinden diesen mit Jesus von Nazareth. Da werden nicht rücksichtlos die eigenen Ideale oder Glaubensvorstellungen absolut und vehement durchgesetzt, aber es geht auch nicht nur um das Kreisen ums eigene Wohlbefinden und Glück, gleichgültig der Not unserer Mitmenschen gegenüber. Vielmehr leuchtet mir aus dieser Prophezeihung ein Mensch entgegen mit Menschenfreundlichkeit, Feingefühl und Sorgfalt, und vorallem mit grossem Vertrauen in Gott, aber auch mit riesigem Engagement für mehr Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Jesus von Nazareth eben!

Diese Lebenshaltung ist mir damals zum Vorbild geworden und ich habe versucht, so gut es ging, mit vielen Abstrichen und Fehlern, diesem Motto in meiner Pfarramtstätigkeit treu zu bleiben.

Ich habe in all den Jahren versucht, Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen zu begleiten, Ich habe viel Freude und Begeisterung erleben dürfen, aber auch Sorgen und Trauer mitgetragen. Es war und ist mir wichtig, für diejenigen, die mich brauchen, da zu sein, aber auch die Traditionen der Bibel und Geschichten von Jesus von Nazareth weiterzuerzählen. Unser christlicher Glaube hat soviel an Hoffnung und Kraft in sich, und gemeinsam mit vielen andern Religionen und spirituellen Überzeugungen wird es möglich sein, unsere Welt zu verwandeln, hin zu mehr Frieden und Gerechtigkeit. Das ist meine Überzeugung auch nach mehr als 30 Amtsjahren.

Ja und nun werde ich im September pensioniert. Ich freue mich, Euch alle am Abschiedsgottesdienst vom 13. September zu sehen, aber ich werde dann noch nicht ganz weg sein! Da eure zukünftige Pfarrerin, Barbara Streit erst im Februar 2027 ihre Stelle antritt, werde ich vom November bis Januar nochmals als Stellvertreterin in Oberbalm wirken.

So ergibt sich (hoffentlich) noch die eine oder andere Begegnung, ich freue mich darauf!

Renate von Ballmoos